4.1 Das wahrgenommene Objekt

DoUTC324UTC11bUTCThu, 20 Nov 2008 15:55:07 +0000 20, 2008

In Kapitel „Subjekt“ wurden mehrere Wahrnehmungsvermögen unterschieden: das Vermögen der äußeren Sinneswahrnehmung, der inneren Selbstwahrnehmung sowie der Wahrnehmung der dritten und vierten Welt. Im folgenden Abschnitt werden in einem ersten Schritt die Objekte, die durch diese Wahrnehmungsvermögen gegeben sind, in Objektklassen eingeteilt und kurz erläutert. In einem zweiten Schritt wird der Bereich des Vergleichbaren bezüglich Raum und Zeit untersucht.(1)

1. Objekte der Außenwelt. Zu dieser Klasse zählen alle materiellen und bewusstseinsunabhängigen Objekte, z. B. Gebäude, Bücher, der menschliche Leib etc. Die Außenwelt gilt als räumlich und zeitlich gegliedert.(2)

2. Objekte der Innenwelt. Zu dieser Klasse zählen alle immateriellen und bewusstseinsabhängigen Objekte. Diese Klasse kann unterteilt werden in Gedanken, Emotionen, Strebungen und Sonstiges:

Gedanke“ meint den subjektiven „Sinn eines Satzes“(3). Beispiel: Der Satz „Es regnet.“ ist der Ausdruck des Gedankens >Es regnet<. „Emotion“ meint das „subjektive Gefühlserleben“(4), z. B. das Gefühl von Liebe, Hass, Freude oder Trauer. „Strebung“ meint alle Bewusstseinsinhalte, „die auf das Erreichen eines Ziels … gerichtet sind.“(5)

Zu den sonstigen Bewusstseinsinhalten zählen alle, die den vier oben genannten Teilklassen nicht zugeordnet werden können bzw. deren Zuordnung umstritten ist: Träume, Synästhesien, Schmerzen und Vorstellungsbilder.(6) Im Folgenden werden diese Bewusstseinsinhalte nicht weiter behandelt.

3. Objekte der dritten Welt. Neben der Außen- und der Innenwelt wird von etlichen Autoren die Existenz einer dritten Welt des objektiven Geistigen postuliert.(7) „Objektiv“ meint, dass diese Welt – genauso wie die Außenwelt – unabhängig vom Bewusstsein des Subjektes existiert. Und genauso wie mehrere Subjekte die gleiche Außenwelt wahrnehmen können, so ist auch die dritte Welt intersubjektiv wahrnehmbar. „Geistig“ meint, dass diese Welt – genauso wie die Innenwelt – immateriell ist. Oft werden Gedanken zur dritten Welt gezählt, sehr selten Emotionen und Strebungen etc.(8)

4. Objekte der vierten Welt. Zu dieser Klasse zählen alle materiellen und bewusstseinsabhängigen Objekte. Eine solche vierte Welt kann es geben.


wahrgenommenesobjekt-27-11-08

Wenn man diese Objektklassen vergleicht, dann stellt man zweierlei fest: Zum einen, dass die Objekte der Außenwelt und der vierten Welt irgendwo, d. h. im Raum gegeben sind – im Unterschied zu den Objekten der übrigen Welten. Zum anderen, dass die Objekte aller Welten irgendwann, d. h. zu einer Zeit gegeben sind.

4.1.1 Raum (9)

Wenn Aussagen intersubjektiv prüfbar und wenn Messungen reliabel sein sollen, dann sollten die Objekte, über die die Aussagen gemacht wurden, identifizierbar sein, damit auch Andere die Möglichkeit haben, die gleichen Objekte zu untersuchen, um die Aussagen zu überprüfen. Ist eine solche Identifizierung möglich? Und falls ja: wie?

Materielle Objekte gelten als identifizierbar; und zwar auf folgende Weise: Vergleichsobjekte der Außenwelt gelten als identifiziert, wenn man vier Vergleiche durchführt (Vergleich der Position auf den drei Raum- und der einen Zeitdimension) und in wenigstens einem Vergleich Ungleichheit zu einem anderen Vergleichsobjekt erkennt, denn es gilt als unmöglich, dass zwei (oder mehr) Objekte einer Art zu einer Zeit an einem Ort sind.(10)

Wie werden nicht-materielle Objekte identifiziert? Strawson vertritt die Ansicht, dass „identifizierendes Denken über andere Einzeldinge als materielle Körper im allgemeinen auf identifizierendes Denken über materielle Körper beruht, aber nicht umgekehrt.“(11) Dass man nicht-materielle Objekte, z. B. Töne, räumlich verorten kann, „läßt sich hinlänglich erklären durch das Bestehen von Korrelationen zwischen den Verschiedenheiten, deren Geräusche von sich aus fähig sind, und anderen nicht-auditiven Eigenschaften unserer Sinneserfahrung.“(12)

Beispiel Entfernungshören: Man hört einen Ton und sucht dessen Ursprung. Was unternimmt man? Man bewegt sich im Raum und achtet darauf, ob der Ton lauter oder leiser wird. Man orientiert sich dabei an der Korrelation zwischen der Tonhöhe und der Entfernung zur Tonquelle: Je lauter der Ton, desto näher wähnen wir uns der Tonquelle. „Näher an der Tonquelle“ bedeutet: desto grösser erscheint uns ein Gegenstand, z. B. ein Radiogerät.

Hohe Korrelationen verleiten indirekt dazu, die Grenzen des Vergleichbaren zu missachten: Meistens werden anstelle der nicht-visuellen Vergleichsobjekte (z. B. Tonhöhen) mit diesen hoch korrelierende visuelle Vergleichsobjekte (z. B. Membranschwingungen) gemessen. Das Messergebnis wird dann meist in Form von visuellen Symbolen dargestellt (z. B. Frequenzkurven oder Zahlen auf einem Bildschirm). Solche Stellvertretervergleiche verleiten – nicht zuletzt auch Naturwissenschaftler – dazu, die Grenzen des Vergleichbaren zu vernachlässigen:

13] Z. B. können durch den Wärmesinn nur Temperaturveränderungen bis zu einer Temperatur von etwa + 48° C wahrgenomen werden, ab + 48° C nimmt man nicht mehr Wärme, sondern Schmerz wahr. Durch den Sehsinn kann man Volumenveränderungen der Quecksilbersäule eines Thermometers wahrnehmen. Diese gesehenen Volumenänderungen korrelieren bis zu einer Temperatur von 48° C mit den durch den Wärmesinn wahrgenommenen Temperaturveränderungen: Je mehr Wärme man empfindet, desto mehr steigt die Qecksilbersäule. Ab 48°C besteht diese Korrelation aber nicht mehr: Da Wärmeveränderungen nicht mehr wahrnehmbar sind, ist eine Korrelation zwischen Wärme- und Volumenveränderung nicht mehr feststellbar. Die Qecksilbersäule steigt weiter, aber man empfindet nicht mehr Wärme sondern nur noch Schmerz.

Zweitens können hohe Korrelationen als Kausalrelation fehlinterpretiert werden; dabei wird als Ursache fast immer die visuelle, als Wirkung fast immer die nicht-visuelle Variable fehlinterpretiert.[14]

4.1.2 Zeit

Im Folgenden werden der Objektbereich des Vergleichs in zeitlicher Hinsicht bestimmt und die Konsequenzen erläutert.

4.1.2.1 Der Objektbereich des Vergleichs in zeitlicher Hinsicht

Für diese Bestimmung wird von den zwei folgenden Prämissen ausgegangen:

a. Dann und nur dann, wenn wenigstens zwei Objekte gegeben sind, ist ein Vergleich möglich.

b. In der Gegenwart ist ein nicht-gegenwärtiges Objekt nicht gegeben.[15] Ein nicht-gegenwärtiges Objekt ist ein vergangenes oder ein zukünftiges oder ein niemals gegebenes Objekt. Ein vergangenes Objekt ist nicht mehr gegeben, ein zukünftiges Objekt ist noch nicht gegeben.

c. Also können vergangene und zukünftige Objekte in der Gegenwart keine Vergleichsobjekte sein.[16] Vergleichsobjekte können nur gegenwärtige Objekte sein. Das gilt für wissenschaftliche wie für nicht-wissenschaftliche Vergleiche.

Diese Schlussfolgerung dient zum einen der Bestimmung des Objektbereichs, zum anderen dient sie als Grundlage, um die folgenden Konsequenzen zu formulieren.

4.1.2.2 Konsequenzen für Erinnerungen

Vergangenes und Zukünftiges kann nicht verglichen werden. Man kann den Einwand erheben, dass man über das Erinnerungsvermögen verfüge, also über das Vermögen, vergangene Bewusstseinsinhalte in der gleichen Reihenfolge und Form zu vergegenwärtigen.[17] Als zwei notwendige Bedingungen für Erinnerung zur Zeit t2 gelten – vereinfacht und gekürzt – folgende:[18]

a. Zur Zeit t2 ist ein Bewusstseinsinhalt gegeben.

b. Zur Zeit t1 ist ein Bewusstseinsinhalt gegeben, der dem Bewusstseinsinhalt von t2 in Reihenfolge und Form gleicht.

Wie kann man feststellen, ob die zweite Bedingung erfüllt ist? Man müsste untersuchen, ob dem Bewusstseinsinhalt zu t2 ein Bewusstseinsinhalt zu t1 vorausging; und falls ja, ob dieser vorausgegangene Bewusstseinsinhalt in Reihenfolge und Form dem gegenwärtigen Bewusstseinsinhalt entspricht. Eine solche Untersuchung wäre ein Vergleich, durch den der gegenwärtige Bewusstseinsinhalt mit dem (eventuell) vorausgegangenen Bewusstseinsinhalt in Hinsicht auf Reihenfolge und Form verglichen wird. Verglichen werden kann aber nur Gegenwärtiges. Eine Identifizierung eines gegenwärtigen Bewusstseinsinhaltes als Erinnerung anhand eines Vergleichs mit dem vorausgegangenen Bewusstseinsinhalt ist deshalb nicht möglich.

Man kann einwenden, dass man im Zweifelsfalle Andere fragen oder Dokumente o. ä. zur Hilfe nehmen könne, um etwas über die Vergangenheit zu erfahren. [19]

Dagegen spricht Folgendes: Durch andere Subjekte können Zweifel an vergangenen Ereignissen in der Innenwelt und der vierten Welt nicht verringert werden. Denn diese Welten sind nur dem einem Subjekt zugänglich. Durch andere Subjekte können auch Zweifel an vergangenen Ereignissen in der Außenwelt oder der dritten Welt nicht verringert werden. Denn wenn das vergleichende Subjekt nicht in der Lage ist, Vergangenes zu vergleichen, dann sind alle anderen Subjekte, soweit sie lediglich über die in Kapitel 3 genannten Vermögen verfügen, ebenfalls nicht in der Lage, Vergangenes zu vergleichen.

Dokumente, Denkmäler, Gebäude o. ä. bieten ebenfalls keine Hilfe. Denn beim Versuch, eine Erinnerung oder ein „Dokument anhand anderer Dokumente ähnlichen Datums und ähnlicher Herkunft [zu] „kontrollieren““[20], stünde man vor dem Problem, „daß das Material, an dem wir unseren problematischen Fall messen, nicht besser gesichert ist als eben der zur Debatte stehende problematische Fall.“[21]

4.1.2.3 Konsequenzen für die Wissenschaften

Welche Konsequenzen ergeben sich für die Wissenschaften? Die Darstellung beschränkt sich auf eine knappe Skizzierung zweier Konsequenzen:

Popper zufolge können in der Zukunft, die in der Gegenwart nicht zugänglich ist, Ereignisse auftreten, deren Beschreibung einer Theorie widerspricht. Eine Konsequenz daraus ist: Allgemeine Aussagen in Form von Theorien seien „nicht verifizierbar“[22]. Allerdings sei man aufgrund von

„Erfahrungen ohne weiteres berechtigt, einen Satz, eine Wirklichkeitsaussage, als gültig zu betrachten, die etwa folgendes besagt: „Bei allen diesen Beobachtungen ist immer diese gewisse Regelmäßigkeit aufgetreten.“ Dieser Satz ist kein streng allgemeiner Satz, …, sondern er ist nichts als ein zusammenfassender Bericht über besondere Vorgänge.“[23]

Popper zieht aus der Nichtzugänglichkeit der Zukunft die Konsequenz, dass allgemeine Aussagen nicht verifizierbar sind. Allerdings unterlässt es Popper, auch die Konsequenzen aus der Nichtzugänglichkeit der Vergangenheit zu ziehen: Da nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit in der Gegenwart nicht zugänglich ist, sind nicht nur allgemeine Aussagen nicht verifizierbar, sondern selbst ein „zusammenfassender Bericht“ ist nicht verifizierbar.

Eine zweite Konsequenz betrifft u. a. die kausal-statistischen Erklärungen. Hume schreibt: „Die Vorstellung der Ursache und Wirkung stammt aus der Erfahrung; sofern diese uns lehrt, daß bestimmte Gegenstände in allen früheren Fällen beständig miteinander verbunden gewesen sind.“[24] Ob eine beständige Verbindung in allen früheren Fällen vorlag, ist durch Vergleichen nicht erkennbar.

4.1.2.4 Konsequenzen für die Sozialwissenschaften

Welche Konsequenzen ergeben sich für die Sozialwissenschaften? Die Darstellung beschränkt sich auf eine knappe Erläuterung der Konsequenzen für den in Absachnitt 2.2.1 erläuterten Gegenstandsbereich.

Gegenstand der Sozialwissenschaften sind soziales Handeln und soziale Strukturen. Handeln ist sinnhaftes Verhalten. Wodurch wird ein Verhalten sinnhaft? Eine Antwort stammt von Schütz: „Der reflexive Blick, der sich einem abgelaufenen, entwordenen Erlebnis zuwendet und es so als ein von allen anderen Erlebnissen in der Dauer wohlunterschiedenes heraushebt, konstituiert dieses Erlebnis als sinnhaftes.“[25] Wenn man davon ausgeht, dass ein Erlebnis nur dann sinnhaft ist, wenn es auf die von Schütz beschriebene Weise konstituiert wurde, dann ist ein Erlebnis nicht als sinnhaft konstituierbar. Denn der reflexive Blick kann sich einem vergangenen Erlebnis nicht zuwenden.

Wenn man unter „Struktur“ – unabhängig, ob sozial oder nicht-sozial – relativ überdauernde Gegebenheiten versteht, dann sind solche überdauernden Gegebenheiten durch Vergleichen nicht erkennbar, da man Vergangenes nicht vergleichen kann.Das gilt auch – wenn auch mit anderem Ansatzpunkt der Kritik – für solche Strukturen, die „nur als jeweils gegenwärtige“ (Luhmann, N., Systeme, 1987, S. 399) existieren, z. B. in Form von Erinnerungsspuren (Giddens, A., Konstitution, 1988, S. 69) oder Erwartungsstrukturen. Luhmann nimmt an, „daß Strukturen sozialer Systeme in Erwartungen bestehen, daß sie Erwartungsstrukturen sind und daß es für soziale Systeme, …, keine anderen Strukturbildungsmöglichkeiten I gibt.“ (Systeme, 1987, S. 398-399, Kursiv im Original) Dagegen spricht: Wenn Erinnerungen und (in Form von Einbildungen gegebene) Erwartungen nicht identifizierbar sind, dann sind auch Erinnerungsspuren und Erwartungsstrukturen nicht identifizierbar.

Kann man transintentionale Folgen identifizieren? Als Bedingung für die Existenz transintentionaler Folgen nennt Martens, dass „zwei, an verschiedenen Zeitpunkten auftretende Intentionalitäten zueinander in Beziehung gesetzt werden.“[27] Martens nennt zwei Möglichkeiten für das Auftreten einer solchen Beziehung, nämlich die eigene Erfahrung oder die Reaktionen Anderer.[28] Wenn aber dem Subjekt (und auch anderen Subjekten) die Vergangenheit nicht zugänglich ist, dann ist eine solche Beziehung nicht möglich.


(1) Andere Einteilungen sind möglich. Vgl. u. a.: Brentano, F., Psychologie, Bd. 2, 1959, S. 3-27.

(2) Vgl. u. a. Schütz, A./Luckmann, T., Strukturen, 1979, S. 62-87.

(3) Frege, G., Gedanke, 1976, S. 33.

(4) Vgl. Scherer, K. R./Wallbott, H. G., Emotion, 1988, S. 9.

(5) Häcker, H./Stapf, K. H., Strebungen, 1998, S. 842.

(6) Vgl. zu Synästhesien: Merleau-Ponty, M., Wahrnehmung, 1966, S. 264-269; zu Schmerzen: Handwerker, H. O., Schmerz, 2001, S. 257-271; zu Vorstellungsbildern: Kebeck, G., Wahrnehmungspsychologie, 1991, S. 77-97.

[7] Frege fordert das „dritte Reich“ der objektiven Gedanken (vgl. ders., Gedanke, 1976), Popper fordert die dritte Welt der objektiven Gedankeninhalte (vgl. ders., Erkenntnis, 1973, S. 123). Durkheim fordert „das der Soziologie eigene Gebiet“ (ders., Regeln, 1991, S. 107) der sozialen Tatbestände, wozu er – neben Arten des Handelns – solche des Denkens und Fühlens zählt (vgl. S. 106, 107). Vgl. die Parallelen zwischen Poppers Hilfsthesen zur dritten Welt (1973, Erkenntnis, S. 129, v. a. die zweite Hilfsthese: Die dritte Welt „ist selbständig, obwohl sie unser Erzeugnis ist und eine starke Rückwirkung auf uns hat“ (S. 129; Kursiv im Original)) und Durkheims Charakterisierung der sozialen Tatbestände (diese besitzen ein „von ihren individuellen Äußerungen unabhängiges Eigenleben“ (S. 114), „sind ein Erzeugnis menschlicher Tätigkeit.“ (S. 117) und besitzen die Fähigkeit „auf den einzelnen einen äußeren Zwang auszuüben“ (S. 114)).

[8] Vgl. dagegen bezüglich Emotionen: Durkheim, E., Regeln, 1991, S. 106-107; bezüglich Strebungen: Schopenhauer, A., Wille, 1977.

[9] Unter einem Raum versteht man eine „mehrfach ausgedehnte Größe“ (Riemann, B., Geometrie, 1959), z. B. gibt es den Farbenraum mit den Dimensionen Farbton, Helligkeit und Sättigung. Im Folgenden wird vom Raum mit den Dimensionen Höhe und Breite ausgegangen. Zur Tiefe vgl. Fußnote 191.

[10] Vgl. Aristoteles, Metaphysik, 1993, 1005b: „Es ist nicht möglich, daß dasselbe demselben in derselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme“.

[11] Strawson, P., Einzelding, 1995, S. 77; das Wort „Denken“ im Original beide Male kursiv.

[12] Strawson, P., Einzelding, 1995, S. 84.

[13] Vgl. Scobel, W./Lindström, G./Langkau, R., Wärmelehre, 2002, S. 323; Tipler, P. A./Mosca, G., Physik, 2004, S. 534-535.

[14] Beispiel: „Ein Lautsprecher erzeugt durch seine schwingende Membran Dichteschwankungen in der Luft mit einer bestimmten Amplitude (Lautstärke) und Frequenz (Tonhöhe).“ (Eichler, H./ Kronfeldt, H.-D./Sahm, J., Grundpraktikum, 2001, S. 122, Kursiv nicht im Original) Die Membran wird als Ursache eines Tones gedeutet.

[15] Die Gegenwart ist kein Zeitpunkt, sondern eine Zeitstrecke, denn: Ein (Zeit-)Punkt meint etwas Nichtausgedehntes. Man kann unendlich viele Punkte zusammenfügen und erhält dennoch nichts Ausgedehntes. Wenn die Gegenwart ein Zeitpunkt wäre, dann wäre Zeit etwas Nichtausgedehntes; vgl. Aristoteles, Physik, 1988, 220a. Man kann daher innerhalb der ausgedehnten Gegenwart ein Früher und Später unterscheiden. Veränderungen können also in der Gegenwart erkannt werden.

[16] Vgl. Hume, D., Traktat, 1989, S. 113: „Wir können ja die vergangenen Eindrücke nicht zurückrufen, und mit den gegenwärtigen Vorstellungen vergleichen, um zu sehen, ob ihre Anordnung genau die gleiche ist.“ Hume glaubt, dass sich Einbildungen und Erinnerungen von Wahrnehmungen durch geringere Lebhaftigkeit („force and vivacity“) unterscheiden. Dieses Kriterium gilt als unklar und ungeeignet (vgl. Stroud, B., Hume, 1977, S. 27-33; Hesse, H., Wahrnehmung, 1997, S. 37-52).

[17] Mehrere Erinnerungen können dank des Einbildungsvermögens zu Einbildungen zusammengesetzt werden; vgl. Kapitel 3.1. Um die vermeintliche Beziehung von Wahrnehmung, Erinnerung und Einbildung zu verdeutlichen, stelle man sich die Zeit als einen Pfeil vor, der in vier Strecken unterteilt ist: die Zeit vor der Geburt (V1), die Zeit zwischen Geburt und Gegenwart (V2), die Gegenwart (G) und die Zukunft (Z). Durch Wahrnehmung ist uns G vergegenwärtigt. Durch Erinnerung und Einbildung gelten Wahrnehmungen der Zeit V2 als vergegenwärtigt. Diese Einbildungen können auf alle vier Zeiträume bezogen werden: auf V1 (Bsp.: Man überlegt, wie es im Mittelalter zugegangen sein könnte), auf V2 (Bsp.: Man überlegt, was man hätte anders machen können), auf G (Bsp.: Man versetzt sich in jemanden, um ihn zu verstehen), auf Z in Form von Erwartungen (Bsp.: Man erwartet vom Gegenüber eine bestimmte Handlung). Nicht selbstverständlich ist erstens die Einteilung der Zeit in G, V1, V2 und Z; zweitens die Annahme, dass die letzten drei Zeitabschnitte durch Vermögen vergegenwärtigbar sind und drittens, dass und wie Bewusstseinsinhalte als eine dieser drei Vergegenwärtigungen identifizierbar sind.

[18] Vgl. Husserl, E., Zeitbewußtsein, 1966, S. 33; Hume, D., Traktat, 1989, S. 19. Die dritte Bedingung ist: „S weiß zum Zeitpunkt t1, daß P, weil sie zum Zeitpunkt t0 wußte, daß P.“ (Bernecker, S., Erinnerung, 2001, S. 147; „S“ steht für „Subjekt“, „P“ steht für „Proposition“.)

[19] Vgl. zu Dokumenten: Cicourel, A. V., Soziologie, 1970, S. 203-208. Vgl. zum (durch Denkmäler, Gebäude bestimmten) Raum: Halbwachs, M., Gedächtnis, 1985, S. 127-136.

[20] Panofsky, E., Kunstgeschichte, 2002, S. 14.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[21]<!–[endif]–> Panofsky, E., Kunstgeschichte, 2002, S. 14.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[22]<!–[endif]–> Popper, K. R., Logik, 1994, S. 198.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[23]<!–[endif]–> Popper, K. R., Grundprobleme, 1979, S. 34, Kursiv im Original. Das Zitat ist Teil einer Textstelle, in der Popper einen Gedankengang Humes zusammenfassend wiedergibt, den Popper übernimmt.

<!–[if !supportFootnotes]–>[24]<!–[endif]–> Hume, D., Traktat, 1989, S. 120, Kursiv im Original; Unterstreichung nicht im Original. Vgl. als Vertreter der kausal-statistischen Erklärung: Reichenbach, H., Raum-Zeit, 1977; Scriven, M., Explanation, 1975, S. 3-16.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[25]<!–[endif]–> Schütz, A., Aufbau, 1987, S. 95, Kursiv nicht im Original; vgl. auch S. 93-96.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[26]<!–[endif]–> Das gilt auch – wenn auch mit anderem Ansatzpunkt der Kritik – für solche Strukturen, die „nur als jeweils gegenwärtige“ (Luhmann, N., Systeme, 1987, S. 399) existieren, z. B. in Form von Erinnerungsspuren (Giddens, A., Konstitution, 1988, S. 69) oder Erwartungsstrukturen. Luhmann nimmt an, „daß Strukturen sozialer Systeme in Erwartungen bestehen, daß sie Erwartungsstrukturen sind und daß es für soziale Systeme, …, keine anderen Strukturbildungsmöglichkeiten I gibt.“ (Systeme, 1987, S. 398-399, Kursiv im Original) Dagegen spricht: Wenn Erinnerungen und (in Form von Einbildungen gegebene) Erwartungen nicht identifizierbar sind, dann sind auch Erinnerungsspuren und Erwartungsstrukturen nicht identifizierbar.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[27]<!–[endif]–> Martens, W., Folgen, 2002, S. 19.

<!–[if !supportLists]–>2.1.1 <!–[endif]–><!–[if !supportFootnotes]–>[28]<!–[endif]–> Vgl. Martens, W., Folgen, 2002, S. 19.