Welche Bedeutung hat der Vergleich?
MoUTC102UTC04bUTCMon, 13 Apr 2009 19:40:03 +0000 20, 2008
Jeder vergleicht jederzeit
Wer Gleichheit oder Ungleichheit, Identität, Ähnlichkeit oder Gegensatz erkennen will, muss vergleichen. Ohne Vergleiche kämen wir selbst bei den simpelsten Alltagshandlungen nicht zurecht. Wer den Unterschied zwischen Gut und Böse, Rot und Grün, Links und Rechts, Mann und Frau und Anderem nicht erkennt, hat schlichtweg ein Überlebensproblem. Es ist nicht übertrieben, wenn man die Vergleichsmethode als grundlegendste Erkenntnismethode bezeichnet, da jeder jederzeit vergleicht. Ein paar Beispiele aus Wissenschaft und Alltag.
- Sozialwissenschaft: Die Vergleichsmethode ist Durkheim zufolge, „die einzige, welche der Soziologie entspricht.“
- Naturwissenschaften: Messen ist Vergleichen – auf jedem Messniveau; allerdings gibt es Grenzen des Vergleichbaren.
- Die „Vergleichende Politikwissenschaften“ und andere Wissenschaften führen die Vergleichsmethode in ihrem Namen.
- Alltag: Soziale Vergleiche, Qualitäts- Preis-, Mengen-, Gewichtsvergleiche sind einige Beispiele für alltägliche Vergleiche.
Denn sie wissen nicht, was sie tun, …
Obwohl oder vielleicht gerade weil die Vergleichsmethode so alltäglich ist, ist die Methode kaum erforscht. So kommt es, dass selbst intelligente Zeitgenossen in hitzigen Diskussionen den Spruch vom Stapel lassen: „Man kann doch Äpfel mit Birnen nicht vergleichen.“ oder „Das kann man doch nicht miteinander vergleichen!“ Man muss nicht einmal wissen, worum es in der Diskussion geht, um zu wissen, dass solche Binsenweisheiten einfach falsch sind. Solche Leute verwechseln Vergleichen mit Gleichsetzen bzw. mit als gleich erkennen. Nun gut, in Alltagsdiskussionen mag man ein Auge zudrücken. Bedenklicher wird es, wenn selbst der Wissenschaftsbetrieb sein helles und ach so müdes Haupt nicht über ein solches Alltagsniveau zu heben vermag. Offene Fragen gibt es genug: Gibt es wirklich Unvergleichbares? In welchen und in wie vielen Hinsichten kann man beispielsweise zwei Menschen vergleichen? Was ist eigentlich das Ergebnis eines Vergleichs? Wohin man auch blickt, eine Monographie oder einen Artikel über die methodologischen Grundlagen der Vergleichsmethode sucht man vergebens.
… auch nicht die Sozialwissenschaftler.
Selbst in den Sozialwissenschaften, – man erinnere sich an Durkheims Aussage, dass die Vergleichsmethode „die einzige [ist], welche der Soziologie entspricht.“ – , selbst in den Sozialwissenschaften reicht die Kraft gerade einmal dazu, den Missstand zu beklagen, dass eine Untersuchung der Vergleichsmethode fehlt. Immerhin, das Problem ist erkannt. Warum macht man nicht den nächsten Schritt und löst das Problem? Man versucht es nicht einmal. (Wodurch sich all diejenigen bestätigt sehen, für die die Soziologie und der Rest der Sozialwissenschaften nichts anderes sind als Laberfächer am Rande der Wissenschaftlichkeit.)
Handeln statt Jammern
„Jammern statt handeln.“ ist die falsche Devise. Vielmehr sollte es heißen: „Wer, wenn nicht wir, die Sozialwissenschaftler, können und wollen Antworten finden auf diese offenen Fragen. Wir wollen die ersten sein, die die allgemeinste, die alltäglichste, die bedeutendste Methode untersuchen. Alle Menschen vergleichen. Aber wir wollen die ersten sein, die wissen, was sie tun, wenn sie vergleichen.“
Deshalb dieser Blog. Handeln statt jammern.