Literaturvergleiche. Teil I

Wie vergleicht man Literatur? Wer vor der Aufgabe steht, Literatur zu vergleichen, findet hier ein paar Hinweise, die in der nächsten Zeit durch weitere Artikel ergänzt werden. Da sich das Feld der Literatur von Comics über Romane, Zeitschriften, Blogs, Bedienungsanweisungen bis hin zu wissenschaftlichen Texten erstreckt, sind hier nur allgemeine und formale Hinweise möglich.

Fangen wir an mit der Auswahl der Vergleichsobjekte, also der Literatur, die man vergleichen will.

1. Was wird verglichen?

Die Auswahl der zu vergleichenden Texte bestimmt zu einem wesentlichen Teil, wie viel Zeit und Arbeitsaufwand, allgemein: wie viel Ressourcen man für den Vergleich investieren wird. Deshalb sollte man sich vorher klar machen, was man vergleichen will oder muss.

Außerdem legt die Auswahl der Texte auch schon das Ergebnisfeld fest. Man kann zwei Texte nicht in unendlich vielen Hinsichten vergleichen und somit auch nicht zu unendlichen vielen Ergebnissen kommen. Das Ergebnisfeld ist die Gesamtheit aller Ergebnisse, die maximal möglich sind. In der Regel wird man, weil man sich aufgrund der knappen Ressourcen beschränken muss, die Texte nur in einigen wenigen Hinsichten vergleichen und somit nur einen Teil des Ergebnisfeldes bearbeiten.

1.1. Wie viele Texte werden verglichen?

Für einen Vergleich müssen mindestens zwei Texte verglichen werden. Es ist natürlich auch möglich, drei oder mehr Texte zu vergleichen. Dann sind allerdings, wenn man Vollständigkeit ereichen möchte, mehrere Paarvergleiche notwendig, d. h. jeder Text wird mit jedem anderen Text verglichen. Dadurch steigt der Arbeitsaufwand sehr schnell an. Bei drei Texten sind drei Paarvergleiche erforderlich, bei vier sind es sechs und bei fünf Texten bereits zehn Paarvergleiche. Wenn man nicht umhin kommt, viele Texte zu vergleichen, kann man den Arbeitsaufwand reduzieren, indem man:

- kürzere Texte resp. Textausschnitte wählt,

- die Texte in weniger Hinsichten vergleicht,

- nicht alle Paarvergleiche durchführt.

Die ersten beiden Strategien haben Einfluss auf das Ergebnis, man kann beabsichtigt oder unbeabsichtigt solche Textausschnitte oder Hinsichten auswählen, dass die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten überwiegen. Der – eventuell berechtigte – Vorwurf der Parteilichkeit oder Ignoranz liegt dann schnell auf der Hand. Führt man nicht alle Paarvergleiche durch, könnte man Nachlässigkeit unterstellen. Für welche Strategie man sich auch entscheidet, man sollte für die Beschränkung eine gute Begründung finden. Dass eine Beschränkung erforderlich ist, wird wohl in den meisten Fällen niemand in Abrede stellen können.

Fortsetzung folgt.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Literaturvergleiche

2 Antworten zu Literaturvergleiche. Teil I

  1. Ana

    hallo!
    bin gerade auf diesen blog gestossen, weil ich nach einer methode/einer art leitfaden für einen literaturvergleich suche. deine literaturliste ist ja sehr umfangreich, deswegen wollte ich fragen, ob du zufällig noch parat hast, welche quellen du für diesen speziellen teil herangezogen hast!? wäre wirklich sehr dankbar!

  2. sebastianfrank

    Hallo,

    ehrlich gesagt ist der text zu den literaturvergleichen eine gelegenheitsarbeit, für die ich keine spezielle literatur zu rate gezogen habe. die im literaturverzeichnis angegebenen werke sind meiner meinung nach wohl zu speziell für dein vorhaben.

    willst du wissen, wie man bei einem literaturvergleich vorgehen sollte? oder weißt du das schon und bist auf der suche nach zitierfähiger literatur zum thema literaturvergleich, um dein vorgehen theoretisch zu untermauern?

    im ersten fall helfen dir vielleicht bücher zum wissenschaftlichen arbeiten. welche nützlich sind, hängt davon ab, welches fach du studierst.
    ein zitierfähiges buch à la “einführung in den literaturvergleich” oder “das wichtigste zur vergleichsmethode” gibt es – soweit ich weiß – nicht. der einzige tipp wäre:

    Brunswig, Alfred: Das Vergleichen und die Relationserkenntnis, Leipzig/Berlin: B. G. Teubner, 1910

    Dies buch ist aber rar, zu sehr auf den philosophisch-psychologischen diskurs zugeschnitten und vor allem ist es sehr Husserl-geprägt.

    Falls du weitere fragen hast, melde dich einfach nochmal.

    in jedem fall viel erfolg!

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