Messniveau und Vergleichen

Die Vergleichsmethode erlaubt Messungen auf allen Messniveaus, also keinesfalls nur auf dem untersten, dem Nominalniveau (Man vergleiche beispielsweise den Wiki-Artikel “Skalenniveau“):

- Das nominale Messniveau erfordert „auf der Ebene der Objekte die Möglichkeit, die Objekte auf Gleichheit in Bezug auf die interessierende Dimension zu unterscheiden.“(1) Die Gleichheit oder Ungleichheit der Objekte kann durch einen Vergleich erkannt werden, wenn die Bedingungen gegeben sind, unter denen ein Vergleich möglich ist. Dass die Vergleichsmethode Messungen auf dem Nominalniveau erlaubt; ist unbestritten. Nicht erwähnt wird aber, z. B. in dem Wiki-Artikel “Skalenniveau“, dass die Vergleichsmethode auch Messungen auf den übrigen Niveaus erlaubt.

- Das Ordinalniveau erfordert „zusätzlich zur Möglichkeit, Objekte auf ihre Gleichheit zu untersuchen, die Möglichkeit der Rangordnung der Objekte in Bezug auf die interessierende Dimension.“(2) Die Rangordnung der Objekte kann mithilfe eines Vergleiches erkannt werden: entweder beide Vergleichsobjekte haben in Bezug auf die interessierende Dimension die gleiche Extension bzw. Intension oder sie haben nicht die gleiche Extension bzw. Intension (Zur Extension/Intension vgl. Abschnitt 4.2.) In letzterem Fall muss eines der beiden Objekte größer bzw. stärker sein als das andere.(3) Führt man Paarvergleiche durch, d. h. jedes Objekt wird mit jedem verglichen, dann ist die Möglichkeit einer Rangfolge gegeben.(4)

- Das Intervallniveau erfordert zusätzlich zu den beiden genannten Anforderungen „die Möglichkeit der Angabe, daß die Unterschiede zwischen zwei beliebigen aufeinanderfolgenden Objekten jeweils gleich groß sind.“(5) Die Unterschiede zwischen Objekten können durch Vergleiche erkannt werden: Diese Unterschiede sind Unterschiede der Extensität bzw. der Intensität. Wenn die Extensität bzw. Intensität die Unterschiedsschwelle überschreitet, dann ist ein Unterschied erkennbar (Zur Unterschiedsschwelle vgl. 4.2). Mehrere Unterschiede sind entweder gleich oder nicht gleich groß bzw. stark. In ersterem Fall ist die geforderte Möglichkeit gegeben.(6)

- Das Verhältnisniveau erfordert zusätzlich zu den drei genannten Anforderungen „die Existenz eines „natürlichen Nullpunktes“(7), d. h. dass der Messwert Null der „tatsächlichen Abwesenheit des gemessenen Merkmals“(8) entspricht. Der Nullpunkt kann durch einen Vergleich erkannt werden; es ist die Reizschwelle, also die extensive bzw. intensive Größe, ab der ein Objekt messbar ist (Zum Nullpunkt vgl. Abschnitt 4.2).(9)

In vielen Naturwissenschaften erfolgen Messungen auf dem Verhältnisniveau; das gilt nicht für alle Sozialwissenschaften: Bezüglich des quantitativen Gehalts muss sich Spöhring zufolge im Unterschied zu Ökonomie und Psychologie „die Soziologie überwiegend mit dem Meßniveau einer Nominal- (oder Kategorial-)Skala ihrer abhängigen Variablen … oder dem einer Ordinal-(Rang-)Skala … bescheiden.“(10)


 

(1) Schnell, R./Hill, P. B./Esser, E., Methoden, 1999, S. 136.

(2) Schnell, R./Hill, P. B./Esser, E., Methoden, 1999, S. 137.

(3) Vgl. Husserl, E., Arithmetik, 1970, S. 90-95.

(4) Vgl. Mayntz, R./Holm, K./Hübner, P., Methoden, 1974, S. 48-49.

(5) Schnell, R./Hill, P. B./Esser, E., Methoden, 1999, S. 137. Dagegen geht Wolf, W., Statistik, 2000, S. 65 nicht von einer gleichbleibenden Differenz, sondern von einem – als gleichbleibend? – interpretierbaren Verhältnis von Messwertdifferenzen aus.

(6) Vgl. kritisch und eine Lösung anbietend: Kebeck, G., Wahrnehmungspsychologie, 1999, S. 59.

(7) Schnell, R./Hill, P. B./Esser, E., Methoden, 1999, S. 137.

(8) Schnell, R./Hill, P. B./Esser, E., Methoden, 1999, S. 137-138.

(9) Vgl. Kebeck, G., Wahrnehmungspsychologie, 1999, S. 59.

(10) Spöhring, W., Sozialforschung, 1995, S. 15.

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